Die Early Excelllence Center (EEC) – ein Begriff, der sich nur undeutlich übersetzen lässt, etwa mit: Kompetenzzentrum frühe Kindheit – haben in England nach dem Regierungsantritt der Blair Regierung (1997) an Bedeutung gewonnen. Ein zentrales Thema des Regierungsprogrammes war die Beseitigung der Kinderarmut (bis zum Jahr 2010) und eine deutliche Reduzierung der Schwangerschaften im Teenager-Alter durch mehr Bildung für weniger privilegierte Kinder und ihre Familien. Das entsprechende Programm SURE START begann mit 29 EEC und sollte nach 10 Jahren 2600 EEC umfassen.
Die Labour-Regierung hat in der ersten Amtsperiode die jährlichen Ausgaben für den Bereich der Elementarerziehung verhundertfacht.
Die Resilienzforschung
hat sich aus dem „Geheimnis“ der so genannten unverletzbaren Kinder entwickelt. die in kriegerischen Auseinandersetzungen, auf der Flucht oder in unvorstellbarer Vernachlässigung aufwachsen und dennoch keine seelischen Schäden davontragen, sondern eine nicht erwartete positive Entwicklung nehmen. Die Forschung hat gezeigt, dass bestimmte Faktoren die Resilienz von Kindern fördern, wenn diese verbindlich sind für die pädagogische Arbeit.
Kinder werden als resilient bezeichnet, wenn sie in einem sozialen Umfeld aufwachsen, das durch Risikofaktoren wie z.B. Armut, Drogenkonsum oder Gewalt gekennzeichnet ist, und sich dennoch zu erfolgreich sozialisierten Erwachsenen entwickeln. Resiliente Personen haben erlernt, dass sie essind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen (sogenannte Kontrollüberzeugung).
Als Ausgangspunkt der EEC wird das PEN GREEN CENTER in Corby gesehen, das - wesentlich auf dem Hintergrund der Forschungen und Erkenntnisse von Margy Whalley gestützt – seit 1983 entwickelt wurde. Whalleys Gebiet ist u. a. Resilienzforschung und ihre Erkenntnis, dass entscheidend für den Bildungserfolg die Bindung Eltern-Kind und insbesondere Vater-Kind ist und damit öffentliche Erziehung nur erfolgreich sein kann, wenn sie Eltern als erste Experten in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezieht und anerkennt.
Resiliente Kinder unterschieden sich durch eine Reihe von Eigenschaften von nicht-resilienten Kindern:
· es sind häufiger Mädchen als Jungen, resiliente Jungen sind eher „untypische“ Jungen. Sie sind weniger aggressiv und mehr auf andere bezogen als nicht-resiliente Jungen,
· intelligente Kinder sind tendenziell resilienter als weniger intelligente Kinder, es gibt jedoch auch wenig intelligente resiliente Kinder und intelligente nicht-resiliente Kinder,
· resiliente Kinder sind oft Überleister, d. h. sie bringen bessere Schulleistungen, als es von ihrer Intelligenz her zu erwarten wäre,
· sie haben ihre Impulse eher unter Kontrolle als nicht resiliente Kinder und sind disziplinierter,
· sie sind eher in der Lage zum Belohnungsaufschub als nicht-resiliente Kinder,
· resiliente Kinder sind anderen Menschen zugewandt, sie reagieren positiv auf Aufmerksamkeit,
· resiliente Kinder sind einfühlsamer und emotionaler als nicht-resiliente Kinder,
· sie sprechen eher über ihre Gefühle,
· sie sind vertrauensvoller und weniger aggressiv,
· entgegen dem Vorurteil, das viele Leute vielleicht hegen, sind resiliente Kinder nicht „tough“. Das Gegenteil ist der Fall, sie ersuchen andere eher um Hilfe als nicht-resiliente Kinder und geben Schwächen eher zu,
· resiliente Kinder haben eine realistische Selbsteinschätzung,
· sie haben realistische Zukunftsvorstellungen,
· sie sind sozial angepasster als nicht-resiliente Kinder,
· sie sind „leichter zu lenken“ und versuchen den Erwartungen Erwachsener gerecht zu werden,
· sie sind interessiert an Menschen, Sachen und Ideen und lernen gerne. In der Regel gehen sie gerne zur Schule,
· sie haben eine interne Kontrollüberzeugung.
Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sie sich bieten. Sie haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten.
Auch Menschen, die nach einem Trauma, wie etwa Vergewaltigung, dem plötzlichen Verlust nahestehender Angehöriger oder Krieg nicht aufgeben, sondern die Fähigkeit entwickeln weiterzumachen, werden als resilient bezeichnet.
Wesentliche Faktoren, die Resilienz beeinflussen, sind die Familie des Betroffenen, seine Kultur (Menschen aus kollektivistischen Kulturen sind meist resilienter), seine schulische Umgebung, seine Intelligenz, seine emotionale Intelligenz und seine mehr oder weniger aktive Einstellung zu Problemen.
Einige Gruppen von Menschen erweisen sich als besonders resilient. Das sind in der Regel solche, die einen starken Zusammenhalt haben, eher kollektivistisch als individuell orientiert sind und sich durch starke Werte auszeichnen, die von den meisten Leuten aus der entsprechenden Gruppe geteilt werden (in der Resilienzforschung als "shared values" bezeichnet).
Eltern und ältere Geschwister können viel dazu beitragen, dass ein Kind Resilienz entwickelt. Emotional am stabilsten und schulisch am erfolgreichsten waren Kinder aus den Familien, wo sowohl von Eltern (obwohl diese Eltern selbst keine gute Bildung hatten) als auch von älteren Geschwistern viel Wert auf Bildung gelegt wurde und Bildung außerdem nicht als Mittel zum Zweck betrachtet wurde, sondern als Selbstzweck. Einen ganz besonders positiven Einfluss hatte es, wenn die Eltern den Kindern vorlasen.
Kinder, die in Armut aufwachsen, leben unter erschwerten Bedingungen. Sie sind mehr Risiken und Frustrationen ausgesetzt als ihre besser gestellten Altersgenossen. Folgen davon sind unter anderem schlechtere Schulleistungen, häufigere kriminelle Auffälligkeit oder Drogenabhängigkeit und häufigeres Auftreten von Erkrankungen, wie zum Beispiel ADHS (bei Kindern und Erwachsenen) oder Schizophrenie (bei Erwachsenen).
Diese Überlegungen haben weitreichende Folgen für eine darauf aufbauende Pädagogik. Das zentrale Anliegen dieser Pädagogik ist die Stärkung des Kindes. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass das keine leichte, sondern eine ausgesprochen schwierige Aufgabe ist, die Erzieherinnen und Erzieher pausenlos fordert und sie bis in ihre eigenen Grundeinstellungen berühren muss.
Basiskompetenzen, die Kinder brauchen, um besonderen Anforderungen gewachsen zu sein und sich zu „gesunden“ und kompetenten Erwachsenen zu entwickeln sind:
· positives Selbstkonzept,
· Kontrollerwartung und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit,
· Fähigkeit zur Selbstregulation,
· Anpassungsfähigkeit im Umgang mit Belastungen oder übermäßigen Reizen (einschließlich der Fähigkeit, sich innerlich zu distanzieren),
· Fähigkeit, sich vor gefährdenden Einflüssen zu schützen,
· Regelbewußtsein-Fähigkeit zu konstruktivem Denken (auch bei widrigen Umständen),
· Fähigkeit, sich zu entscheiden und zu organisieren (Selbstmanagement),
· Fähigkeit, sich in verschiedenen kulturellen und sozialen Umwelten zu bewegen und mit unterschiedlichen Rollenerwartungen konstruktiv umzugehen,
· Fähigkeit, Konflikte gewaltlos zu bewältigen,
· Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen,
· Kreativität und Explorationslust,
· sachbezogenes Engagement und intrinsische Motivation.
Unter diesen Gesichtspunkten sollen Erzieherinnen und Erzieher Prozesse anregen, unterstützen und in Gang halten, die es Kindern ermöglichen, diese Basiskompetenzen zu erreichen.